Projektbeschreibung
Michael Forster & Simon Weinberger

Die österreichische Nutztierhaltung bezieht jährlich ca. 250.000t Rohprotein aus hauptsächlich südamerikanischen Importen in Form von Soja und Fischmehl. Die Produktion dieser Ressourcen in Übersee ist oftmals mit einem massiven Raubbau an der Natur verbunden: Sojaanbau ist die Hauptursache für die Regenwaldabholzung im Amazonasbecken und die Fischmehlproduktion verschärft die weltweite Überfischung. Viele heimische Landwirte sind den Weltmarktpreisen für diese Rohstoffe alternativlos ausgeliefert. Dementsprechend ist die Erschließung neuer Eiweißquellen für die Nutztierhaltung von maßgeblicher strategischer Bedeutung für die österreichische Landwirtschaft und Aquakultur.

Abbildung 1.  Verteilung der Eiweißfutterquellen in der österreichischen Landwirtschaft (AGES 2010).

 

Mit der gezielten Produktion von Insekten auf Rest-und Abfallstoffen kann Protein aus minderwertigen Quellen recycelt und in ein hochqualitatives Eiweißfuttermittel umgewandelt werden. Die schwarze Soldatenfliege (lt. Hermetia Illucens) eignet sich besonders gut für diesen Prozess, da ihre Larven pflanzliches Protein schnell und effizient verwerten können. Für deren Zucht benötigen wir etwa ein Hundertstel der Fläche die für eine vergleichbare Menge Sojabohnen verbraucht würde. Dabei ist keine zusätzliche Heizung notwendig und die Aufzucht kann beinahe energieneutral gestaltet werden. In wissenschaftlichen Fütterungsversuchen wurde gezeigt, dass die Larven der Hermetia Illucens ein hervorragendes Futtermittel für Fische, Schweine und Hühner darstellt. Viele nicht-wiederkäuende Tierarten (Monogastrier) ernähren sich in freier Wildbahn zu einem erheblichen Teil von Insekten. Darum führt deren Fütterung zu einer Reihe von positiven Effekten auf das tierische Verdauungs-und Immunsystem. Als Nebenprodukt der Larvenproduktion fällt zudem ein hochwertiger Dünger an, der mit Kompost vergleichbar ist und ausgezeichnete Eigenschaften für die Verwendung im Gemüsebau besitzt. Durch die Verringerung von Transportwegen und die Nutzung von Abfällen kann der CO2-Ausstoß bei der Produktion von Insektenprotein, im Vergleich zu Soja oder Fischmehl, halbiert werden.

Wir, das sind Michael Forster (Bio-Landwirt und BOKU-Student) und Simon Weinberger (Chemiker und Fischzüchter), beschäftigen uns seit ca. einem Jahr mit der Zucht von Hermetia Illucens für die Verwendung als Futtermittel in der Geflügelzucht und Aquakultur. In unserer kleinen Pilotanlage (ca. 40m2) können wir das ganze Jahr über bis zu 500kg Fliegenlarven pro Woche produzieren. Die Optimierung von Vermehrung und Aufzucht stellt den Hauptteil unserer Arbeit dar. Wir suchen außerdem nach Substraten, die sich für eine nachhaltige Zucht der Fliegenlarven in der Landwirtschaft eignen, also vor allem Nebenprodukte und Abfälle, die momentan schlecht oder gar nicht verwertet werden. Ein weiteres Betätigungsfeld ist die nationale Zulassung der Insekten als Futtermittel. Die Fütterung lebender Fliegenlarven in der konventionellen Landwirtschaft ist bereits erlaubt. Produkte, die verarbeitete Fliegenlarven enthalten sind momentan noch verboten, stehen jedoch kurz vor der Zulassung auf europäischer Ebene. Wir arbeiten auch intensiv an der Zulassung unserer Fliegenlarven in der Bio-Landwirtschaft und sehen gute Aussichten für eine Bio-Zertifizierung bis Anfang 2018.

Abbildung 2. Schwarze Soldatenfliege (lt. Hermetia Illucens) als Adult (links) und Larve (rechts).

 

Besonders interessant ist die Verwendung von Fliegenlarven in der Fischzucht, da es hier momentan keine Alternativen zu Fischmehl und Soja gibt. Der Ersatz dieser Eiweißquellen durch Insektenprotein kann negative Umwelteinflüsse dabei stark reduzieren (Abbildung 3). Die Verwendung von Insektenprotein in der Aquakultur wird ab Juli 2017 auf EU-Ebene zugelassen, womit die Insektenzucht zu einem attraktiven Geschäftszweig in der Futtermittelindustrie werden könnte. Es gibt bereits einige große und gut finanzierte Tech-Start-Ups, die an diesem Thema arbeiten. Zentralisierte Produktionssysteme mit über 1000 Tonnen Jahreskapazität stehen bei dieser Entwicklung im Fokus. Eine groß-industrielle Form der Produktion bringt jedoch einige Probleme, wie einen hohen Transportaufwand, mit sich. Bei EcoFly versuchen wir dagegen eine Form der Larvenproduktion zu entwickeln, welche sich in die vorhandenen landwirtschaftlichen Strukturen eingliedern lässt und damit die Transportwege zwischen Abfallentstehung, Larvenproduktion und Fütterung der Larven verkürzt. Für diese Entwicklungsarbeit sind wir momentan noch auf finanzielle Unterstützung angewiesen.

Mit Hilfe der Insektenzucht, als neuartige Form der Landwirtschaft, können wir die Effizienz unserer Nahrungsmittelproduktion erheblich steigern und die Abhängigkeit von südamerikanischen Eiweißimporten bekämpfen. Wir von EcoFly haben uns zum Ziel gesetzt, diese Vision in die Realität umzusetzen.

 

Abbildung 3. Vergleich einiger Kennzahlen zum Umwelteinfluss der Produktion von von Fischmehl und Hermetia-Mehl (Smarason et al. 2017).